Februar 2026

Wie aus einer persönlichen Erfahrung die Postpartum Initiative wurde

Als meine Tochter 2025 zur Welt kam, fühlte ich mich gut vorbereitet. Ich hatte Kurse besucht, Bücher gelesen und mich beruflich jahrelang mit dem Gesundheitswesen beschäftigt. Womit ich nicht gerechnet hatte, war der Moment, in dem es still wurde.

Still, weil die Hebamme nun nicht mehr kam. Still, weil der letzte körperliche Check bei der Gynäkologin nach sechs Wochen abgeschlossen war. Die strukturierte Begleitung, die mich durch die ersten Wochen getragen hatte, war zu Ende. Meine Beschwerden waren es nicht.

War das alles einfach «ganz normal»? Das postpartale Hormonchaos? Der Schlafmangel? Die Fragen wurden in den Monaten danach nicht kleiner, sie wurden lauter.

Zuerst dachte ich, es läge an mir. Dann fing ich an, andere Frauen zu fragen, in der Literatur zu recherchieren und offen darüber zu sprechen. Und ich hörte immer wieder dieselben Sätze:

«Man hat oft das Gefühl, es geht nur einem alleine so, alle anderen kriegen es besser hin.»

Dabei beschreibt selbst die wissenschaftliche Literatur anhaltende Beschwerden nach der Geburt, körperlich wie psychisch, und fordert eine engmaschigere und längere Begleitung von Frauen  über das Wochenbett hinaus. Weshalb reden wir als Gesellschaft kaum darüber?

Aus genau dieser Frage entsteht gerade die Postpartum Initiative: eine unabhängige Plattform für Aufklärung, Vernetzung und die Verbesserung der Versorgung nach der Geburt. Was als persönliche Beobachtung begann, wurde zu einer systematischen Recherche mit Müttern, Vätern und Fachpersonen.

Die Erkenntnis, die sich durch die bisherigen Gespräche und Daten zieht: Nach dem Wochenbett entsteht für viele Familien eine Versorgungslücke, über die zu wenig geredet wird. Nicht, weil es an gutem Willen fehlt, sondern weil unser System fragmentiert ist und an der ein oder anderen Stelle "das Dorf" fehlt.

Die Postpartum Initiative wird die Stimmen von Eltern und Fachpersonen hier zugänglich machen.

Ich wünsche mir, dass daraus mehr als ein Dialog wird.

Belinda von Niederhäusern, PhD
Gründerin der Postpartum Initiative